Elektro-Altgeräte

20 Jahre Müll und Umwelt Fürth

Ein kleiner Rückblick.

Die Siemens Schwelbrennanlage war ein Millionenflopp.

Waltraud Galaske

Der „Müll und Umwelt e.V. Fürth“ feierte am 19.9.2008 sein 20 jähriges Bestehen sowie das Scheitern der Schwelbrennanlage vor 10 Jahren.

Bereits 1984 griff der Arbeitskreis Recycling des BN die Müllproblematik auf und startete in Fürth und Nürnberg mit einer Aluminium-Sammlung.

In Bayern fand im Oktober 1984 der ersten ökologischen Müllkongress statt. Insbesondere galt es den Kampf gegen neue Müllverbrennungsanlagen zu koordinieren. Den Höhepunkt erreichte diese Bewegung im Müllvolksbegehren 1990/91. Der Müll-Volksentscheid erhält in Fürth 61% Unterstützung, scheitert aber bayernweit

Müllverschwelung in Fürth

Siemens KWU bot im Jahr 1985 für den Fürther Müll eine kostenlose Versuchsanlage an, eine Müllverschwelung. Im Jahr 1990 wurden für eine Schwelbrennanalge (SBA) Kosten von 32 Mio. DM genannt, welche sich bis 1995 auf 66 Mio. DM steigerten. Zudem mussten die Partner im Zweckverband Abfallbeseitigung Rangau (ZAR) einer Risikobeteiligung beim Scheitern zustimmen.

Konzept mit Müllreduzierung

Dagegen hielt der Bund Naturschutz gemeinsam mit "Müll und Umwelt e.V." ein alternatives Abfallkonzept mit besserer Wertstofferfassung und Verwertung. Unterstützung kam aus weiten Kreisen der Bevölkerung, wie mehrere Demos zeigten. 1993 wurden 23.000 Einwendungen gegen die SBA abgegeben. In einer neuntägigen Anhörung im Nürnberger Messezentrum wurde dann das alternative Müllkonzept vorgetragen.

Bau, Privatisierung und Pleiten

Die Regierung von Mittelfranken genehmigt die SBA und der Baubeginn war im September 1994. Fünf Betroffene klagten gegen den Bescheid. Im Jahr 1995 noch während der Bauphase sollte die Anlage und der Betrieb privatisiert werden und weiterer Müll aus Erlangen aufgenommen werden. Dagegen wurde in Fürth das erste Bürgerbegehren gestartet. Doch der Verkauf der SBA an die Stromkonzern-Tochter UTM GmbH konnte nicht verhindert werden. Der auf den Inhalt "gegen Müllimport" reduzierte Bürgerentscheid scheiterte dann knapp mit 49% zu 51%. Nach der ersten Müllanlieferung in die SBA 1997, gründete sich die Aktion "Bürger beobachten die Schwel-Brenn-Anlage". Bei der SBA traten viele Probleme auf, z.B. Materialstau, Softwareausfall und Schwelgasfreisetzung nach Bypassöffnung. Im Jahr 1998 wurde dann die Anlage nachgebessert. Doch beim Probelauf im August kam es zum entscheidenden Fehler, Metallgeflechte im Müll führten zu Materialstau und zerstörten eine Schweltrommeldichtung. Darauf trat explosionsartig giftiges Schwelgas aus und verletzte 73 Personen.

SBA wurde aufgegeben

Nach genauer Abwägungen kündigte der ZAR 1999 alle Verträge zur SBA. Siemens erklärte das Projekt SBA für tot. Die Schwel-Ruine wird von Siemens an den niederbayerischen Unternehmer Günther Karl zum Ausschlachten "verkauft". Der ZAR löste sich im Jahr 2000 auf. Die nun entstandenen Risiko-Kosten von 30 Mio. DM wurden auf die ZAR-Partner aufgeteilt. 8,8 Mio DM allein für die Stadt Fürth. Die Kamine der Schwel-Brenn-Anlage mussten dem Erweiterungsbau von Mercedes weichen. Die Schwel-Brenn-Anlage wird kurzeitig zur Theaterbühne und der Atzenhofer Müllberg wurde ein Freizeit- und Solarberg. Der ZAR nahm Kontakt mit Nürnberg auf, zwecks Mitverbrennung des Fürther Mülls.

Dankeschön an Aktive

Die Vorsitzende Waltraud Galaske dankte den Aktiven und besonders dem Bund Naturschutz für die tatkräftige Unterstützung am gemeinsamen Ziel. Einige Wegbegleiter/innen, wie Helga Krause, Prof. Dr. Günter Witzsch, Rotraut Grashey und Elisabeth Reichert, rundeten den Rückblick der Vorsitzenden mit ihren persönlichen Erinnerungen ab. "Müll und Umwelt e.V." konnte durch den Einsatz der Mitglieder verhindern, dass die Schwel-Ruine 2001 zu einer Altholzverbrennung umgebaut wurde und 2007 zu einer Klärschlamm-Behandlung. Zwischenzeitlich hat sich der Müllverein im Jahr 2002/ 2003 gegen das Cross-Border-Leasing der Fürther Kläranlage ausgesprochen und 2006 gemeinsam mit dem BN und dem Wasserbündnis Fürth gegen den Verkauf der Fürther Kläranlage.

Weniger Müll als Ziel

Die Notwendigkeit für einen Verein wie "Müll und Umwelt e.V." besteht weiterhin. Er existiert weiter, solange die Schwel-Ruine noch steht und solange die Müllprobleme nicht umweltfreundlicher gelöst sind.

Waltraud Galaske im Oktober 2008

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